Royston Maldoom

Choreograf und Tanzpädagoge

Eigentlich wollte er nur mit ein paar ­Freunden in den Pub gehen. Aber die hatten es sich in den Kopf gesetzt, vorher noch im Kino einen Ballettfilm mit Margot Fonteyn und Rudolf Nurejew anzusehen. Eher widerwillig ging Royston Maldoom mit. Am nächsten Tag beschloss er, Tänzer zu werden.

Der Brite, 1943 in London geboren, war zuvor eher ziellos durchs Leben gegangen, hatte sich als Bauzeichner und Schafhirte versucht. Als er mit seiner Tanzausbildung begann, war er 22 – ein Alter, in dem professionelle Tänzer bereits auf dem Höhepunkt ihrer physischen und künstlerischen Leistungskraft stehen. Aber Royston Maldoom ließ sich nicht beirren. Schon bald konnte er mit seinen Choreografien erste Erfolge erzielen, bekam Preise und Auszeichnungen. Die Tanzszene wurde auf das ungewöhnliche neue Talent aufmerksam.

Dennoch wählte Royston Maldoom ­seinen Weg ganz bewusst fernab der glamourösen ­Ballettwelt. In den achtziger Jahren tourte er mit einem ­Campingbus durch die Lande und brachte den Tanz zu den Menschen – bevorzugt dorthin, wo soziale Spannungen und materielle Nöte eigentlich ein denkbar kunstfernes Klima geschaffen hatten. Ganz gleich, ob es die Straßen­kinder von Addis Adeba waren, farbige Jugendliche aus den Townships Südafrikas oder der von Religions­konflikten gespaltene Nachwuchs Nordirlands – Royston ­Maldoom tanzte mit ihnen, öffnete ihr künstlerisches Potential, weckte ihre Leidenschaft.

Im Februar 2003 kam er nach Berlin, um auf Einladung der Berliner Philharmoniker und ihres Chefdirigenten Simon Rattle mit 250 Jugendlichen aus den Problemvierteln der Stadt Igor Strawinskys „Le sacre du printemps“ zu erarbeiten – ein hochkomplexes Werk, das selbst professionelle Tänzer das Fürchten lehrt. Nach sechs Wochen brachten die Youngsters, von denen keiner zuvor je Berührung mit dem Ballett hatte, eine Choreografie auf die Bühne, die weithin für Aufsehen sorgte. Das einzigartige Projekt wurde in dem Dokumentarfilm „Rhythm is It!“ festgehalten, der mehrere große Filmpreise erhielt.

Im Rheinland hatte Royston Maldoom schon zuvor wichtige tanzpädagogische Wegmarken gesetzt. Von 1990 bis 1997 wirkte er als choreografischer Direktor des Europäischen Jugendtanzfestivals im Rahmen der Duisburger Akzente. Seither arbeitet er eng mit der Duisburger Choreografin und Tanzpädagogin Ulla Weltike zusammen. Ihr gemeinsames Community Tanzprojekt „Tanzen für ein besseres Leben“ brachte 2016 etwa 200 in Duisburg lebende Teilnehmer aus vielen verschiedenen Ursprungsländern zusammen, junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, aus sozial benachteiligten Familien, aber auch aus der Mittel- und Oberschicht.

Royston Maldoom versteht sich keineswegs als Sozialarbeiter oder Jugendbetreuer; er arbeitet straff und zielorientiert, fordert Disziplin, Konzen­tration und Einsatzbereitschaft. Dafür bietet er seinen jungen ­Tänzerinnen und Tänzern ein gemeinschaft­liches Erfolgserlebnis, das sie auch menschlich weiterbringt. „Wenn man zusammen getanzt hat“, so Royston ­Maldooms feste Überzeugung, „dann kann man auch miteinander leben.“

Foto: Ingo Schäfer

Spielzeit 2016/2017:

Spielzeit 2017/2018:

Spielzeit 2019/2020: