Schuberts Winterreise

6. Philharmonisches Konzert

Duisburger Philharmoniker

Axel Kober Dirigent

Klaus Florian Vogt Tenor

Lesen Sie zu diesem Konzert den ausführlichen Magazin-Beitrag aus dem Jahresprogramm „play!“ 2021/2022 >>

Axel Kober Dirigent · Foto: Susanne Diesner

Axel Kober Dirigent
Foto: Susanne Diesner

Klaus Florian Vogt Tenor · Foto: Harald Hoffmann

Klaus Florian Vogt Tenor
Foto: Harald Hoffmann

Einen „Zyklus schauerlicher Lieder“ kündigt Franz Schubert seinen Freunden im Frühjahr 1827 an. Bei einem Hauskonzert singt er sie ihnen dann vor, „mit bewegter Stimme“, wie sich der Wiener Hofrat Joseph von Spaun erinnert. Die Freunde sind irritiert – das ist doch nicht der Komponist, der sonst mit heiteren Liedern und Tänzen den Soundtrack zu ihren Landpartien und Zechgelagen in den Wiener Vororten lieferte. „Schwammerl“ („Pilzchen“) nennen sie den kleinen, rundlichen Musiker, der es im Leben so recht zu nichts gebracht hat; ein gescheiterter Schulmeister, der unablässig vor sich hin komponiert, Werke, für die sich nur selten ein Verleger findet und deren Manuskripte er immer wieder achtlos im Gasthaus liegen lässt. Aber was die Freunde nun zu hören bekommen, ist zutiefst verstörend: Lieder, die von Kälte und Erstarrung handeln, von Einsamkeit, Verwundung und gescheiterten Hoffnungen.

Es sind die ersten zwölf Lieder der „Winterreise“, denen im Oktober des Jahres noch zwölf weitere folgen werden. Mit diesem Zyklus, wohl dem berühmtesten des gesamten Liedrepertoires, blickt Schubert nicht nur in letzte seelische Abgründe; die Texte von Wilhelm Müller erzählen auch vom Alltag in Metternichs Polizeistaat, vom lähmenden Stillstand des geistigen Lebens, vom Verrat an den Idealen der französischen Revolution. Große Liedinterpreten haben dem Werk ihren Stempel aufgedrückt, ohne es doch in all seinen Schichten erfassen zu können. Hier setzte der Komponist und Dirigent Hans Zender 1993 mit seiner „komponierten Interpretation“ an. Eine subtile Instrumentierung und pointierte Zusätze brechen den Blick auf die „Winterreise“ perspektivisch auf. Verborgene Stimmen treten hervor, Details der Klavierbegleitung entfalten formbildende Kraft.

Zenders eindringliche Bearbeitung, die eher den Rang einer Eigenkomposition hat, konnte sich auf den Konzertpodien schnell durchsetzen. Zum illustren Kreis großer Tenöre, die den Zyklus aufgeführt oder aufgenommen haben, gesellt sich nun auch Klaus Florian Vogt. Der aus Norddeutschland stammende Sänger begann seine Karriere als Hornist im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg; parallel dazu studierte er Gesang an der Musikhochschule Lübeck. Klaus Florian Vogt wird als feinfühliger Liedinterpret und charismatischer Opernsänger gleichermaßen geschätzt. Wagners Gralsritter Lohengrin hat er auf den größten Bühnen der Welt erfolgreich verkörpert – von den Bayreuther Festspielen über die Mailänder Scala bis zur Metropolitan Opera New York.

Öffentliche Proben
vor allen philharmonischen Konzerten
Dienstags 12.00 – 12.30 Uhr. Eintritt frei

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