Im Geisterreich des Unendlichen

7. Philharmonisches Konzert

Duisburger Philharmoniker

Axel Kober Dirigent

Anna Malikovar Klavier

– Artist in Residence –

7. Philharmonisches Konzert Axel Kober Dirigent Foto: Max Brunnert

Axel Kober Dirigent
Foto: Max Brunnert

7. Philharmonisches Konzert Anna Malikova Klavier Foto: Kurt Steinhausen

Anna Malikova Klavier
Foto: Kurt Steinhausen

Eine Rarität, flankiert von zwei Ikonen – so ließe sich das Programm des 7. Philharmonischen Konzerts zusammenfassen. Die Rarität ist Camille Saint-Saëns’ Klavierkonzert Nr. 4, das auf deutschen Konzertpodien aus unerfindlichen Gründen kaum je zu hören ist. Das 1875 in Paris uraufgeführte Werk verbindet klassischen Geist und romantische Freiheit; der Dialog zwischen Soloinstrument und Orchester entspinnt sich mit beredter Eleganz, der Klaviersatz hat Schwung und Feuer. Da sollte es Anna Malikova nicht allzu schwer fallen, das Publikum von dieser Entdeckung zu überzeugen. Die usbekische Pianistin, 2019/2020 „Artist in Residence“ der Duisburger Philharmoniker, hat das wirkungsvolle Stück nebst seinen vier Geschwistern 2003 mit dem WDR Sinfonieorchester eingespielt und damit eine viel beachtete Referenzaufnahme vorgelegt. Die Rheinische Post rühmte besonders die „furios musikalische, mit einer gepardenhaften Geschmeidigkeit beeindruckende Anna Malikova“; die internationale Presse reagierte nicht minder euphorisch.

Und damit zu den Ikonen, die GMD Axel Kober zu beiden Seiten der Rarität platziert hat: Mozarts „große“ g-Moll-Sinfonie galt von jeher als charakteristisches Beispiel für jene dunkle, abgründige Seite des Komponisten, die das gängige Bild vom unbeschwerten Götterliebling zu Recht Lügen strafte. Mit ihrer pochenden Unruhe, der kaum einmal aufgehellten Moll-Sphäre ist die 1788 komponierte Sinfonie zugleich ein Nachklang jener kulturgeschichtlichen Epoche, für die sich der Name „Sturm und Drang“ eingebürgert hat.

Restlos alles ist gesagt über Beethovens „Fünfte“, die Sinfonie mit dem Ta-ta-ta-taa. Sie wurde schon im 19. Jahrhundert zum Opfer ihrer eigenen Berühmtheit, die den klaren Blick auf ihre formsprengende, rebellische Kraft allzu leicht verstellte. In der sinfonischen Tradition lag das Gewicht zuvor stets auf dem breit ausgeführten Kopfsatz; Beethoven entwickelt erstmals eine musikalische Erzähldramaturgie, die zwingend auf das Ende gerichtet ist – ein zielstrebiger Weg hin zum triumphalen Finale, den er dann in der „Neunten“ durch den Einsatz der menschlichen Stimme nochmals steigern sollte. E.T.A. Hoffmann, Chefideologe der deutschen Romantik, sah in der „Fünften“ mehr als in jedem anderen Werk des Komponisten eine besondere Kraft am Werk, die „den Zuhörer unwiderstehlich fortreißt in das wundervolle Geisterreich des Unendlichen.“

Das Projekt „Artist in Residence“ wird gefördert von KROHNE

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