Die Kunst der Verwandlung

12. Philharmonisches Konzert

Duisburger Philharmoniker

Axel Kober Dirigent

Frank Peter Zimmermann Violine

Axel Kober Dirigent · Foto: Susanne Diesner

Axel Kober Dirigent
Foto: Susanne Diesner

Frank Peter Zimmermann Violine · Foto: Harald Hoffmann/Hänssler Classical

Frank Peter Zimmermann Violine
Foto: Harald Hoffmann/Hänssler Classical

„Ich will gar nicht leugnen, dass das ganz gute Musik ist“, so der spanische Stargeiger Pablo de Sarasate über das Violinkonzert von Johannes Brahms. „Aber halten Sie mich für so geschmacklos, dass ich mich auf das Podium stelle, um mit der Geige in der Hand zuzuhören, wie im Adagio die Oboe dem Publikum die einzige Melodie des ganzen Stücks vorspielt?“

So konnte man es natürlich auch sehen – und Sarasate war da keineswegs der einzige. Die Violinvirtuosen des 19. Jahrhunderts machten zunächst einen weiten Bogen um das ausladende Werk, dessen technische Schwierig­keit in einem so ungünstigen Verhältnis zu seiner Bravour-Wirkung stand. Nicht einmal Joseph Joachim, der Solist der Leipziger Uraufführung im Jahre 1879, mochte dem Stück vorbehaltlos zustimmen. Der Dirigent Hans von Bülow meinte gar, das Konzert sei nicht „für“, sondern „gegen“ die Geige geschrieben – ein Tadel, der aber eigentlich ein Lob mit umgekehrtem Vorzeichen war: Brahms verbannte alle Konventionen artistischer Brillanz aus der Partitur; Solopart und Orchester begegnen sich in einer dicht gefügten sinfonischen Gesamtkonzeption.

„Man fühlt sich nicht als der große Virtuose“, so Frank Peter Zimmermann im WDR-Interview über das Brahms-Konzert, „man macht größere Kammermusik miteinander.“ Auch das Oboensolo im Adagio, das den Kollegen Sarasate so erzürnte, bereitet ihm kein Problem, im Gegenteil: „Wenn man ein wunderbares Orchester hat, dann möchte man irgendwann gar nicht mehr selbst anfangen zu spielen.“ Mit den Philharmonikern seiner Vaterstadt Duisburg teilt Frank Peter Zimmermann prägende Erlebnisse; trotz seiner Verpflichtungen auf den großen internationalen Podien kehrt er immer wieder gerne hierher zurück.

Ein treuer „Brahmsianer“ war der sinnenfrohe bayrische Spätromantiker Max Reger. In seinen Hiller-Variationen, die 1907 in Köln aus der Taufe gehoben wurden, finden sich zahlreiche Anklänge an die Klangsprache des bewunderten Meisters. Das „lustige Thema“ aus Johann Adam Hillers Singspiel „Der Ernte­kranz“ hatte Reger in einem Lehrbuch entdeckt und sofort erkannt, dass die schlichte Melodie „geradezu nach Variationen schreit“. Elf davon samt monumentaler Schlussfuge rang er dem Thema ab, das man in den kunstvollen Verwandlungen und wechselnden instrumentalen Beleuchtungen oft kaum noch erkennen kann. Dennoch beschwört die Partitur immer wieder den heiter-graziösen Geist des Rokoko-Zeitalters, dem Hiller entstammte.

Öffentliche Proben
vor allen philharmonischen Konzerten
Dienstags 12.00 – 12.30 Uhr. Eintritt frei

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