Call for Music – den Kanon hinterfragen

Call for Music – den Kanon hinterfragen

Umjubelt oder ausgebuht, höflicher Applaus oder stehende Ovationen – die Uraufführung entscheidet häufig über die Zukunft eines Opus. Landet die Partitur anschließend im Archiv oder wird das Werk in den Kanon aufgenommen?
Doch die Musikgeschichte hat gezeigt: Es gibt auch Kompositionen, die trotz – oder vielleicht gerade wegen – großer Uraufführungsskandale im Aufführungsgedächtnis geblieben sind und bis heute im Repertoire frequentieren – wie zum Beispiel Le Sacre du Printemps. Die Musikgeschichte ist voll von Beispielen, bei denen die Premiere verunglückte und die Werke hinterher trotzdem ein großer Erfolg wurden.
Aber was ist mit den Werken „Dazwischen“? Kompositionen, die einmal gespielt wurden und dann in die Archive der Konzerthäuser wanderten – ohne Tonaufzeichnung, ohne Erfolg, ohne Skandal. Aus welchen Gründen haben sie die Zeit nicht überdauert?

Die Duisburger Philharmoniker verstehen sich als neu schöpfendes Orchester und möchten mit diesem „Call for Music“ den Kanon kritisch hinterfragen. Dafür rufen sie nun Musikwissenschaftler*innen dazu auf, Archive zu erkunden und Partiturschätze daraus zu heben. In diesem Austausch zwischen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen sollen Werke erneut zur Aufführung gebracht werden, die zwischen 1700 und 2000 komponiert wurden und entweder noch gar nicht oder erst wenige Male gespielt wurden. Der „Call for Music“ möchte die Repertoirefähigkeit dieser vielleicht verschollenen oder verkannten Werke überdenken und unbekanntere Komponist*innen wieder in den Fokus rücken. Mit dieser Initiative soll gleichzeitig auch die gängige Kanonbildung, deren Mechanismen oftmals im Dunkeln bleiben, hinterfragt werden.

Die eingereichten Vorschläge werden auf folgende Kriterien überprüft und dann in einem der Philharmonischen Konzerte der Duisburger Philharmoniker in der Saison 2022/2023 zur Aufführung gebracht. Der/die Vorschlagende, deren Werk am Ende aufgegriffen wird, ist herzlich eingeladen sowohl den Text fürs Programmheft als auch die Werkeinführung auf der Bühne mitzugestalten – und erhält ein Preisgeld von 500 Euro.

Das vorgeschlagene Werk muss folgende Kriterien erfüllen:
• zwischen 1700 und 2000 komponiert
• noch nie oder erst wenige Male aufgeführt
• innovativ für die Zeit mit einzigartigen kompositorischen Ansätzen
• 20 bis 30-minütiges orchestrales Werk
• Sollte idealerweise noch nicht in einer qualitativ hochwertigen Einspielung vorliegen

Fügen Sie bitte Ihrem Vorschlag folgende Unterlagen bei:
• zweiseitige Begründung (pdf), warum Sie das Werk vorschlagen (Informationen: wann es wo und unter welchen Umständen erstaufgeführt wurde)
• Biografie des Komponisten/ der Komponistin (max. 150 Wörter)
• Partitur oder Hinweis zum Archivort der Partitur
• Einreichungen als Gruppe oder Seminar sind ebenso möglich wie Einreichungen durch Einzelpersonen

Schicken Sie bitte Ihre Vorschläge mit Begründung, Biografie und Partitur bis zum
31. März 2022 an folgende Mailadresse: post@elfi-vomberg.de

Kontakt:
Dr. Elfi Vomberg
post@elfi-vomberg.de

Der Call for Music ist Teil des Projekts „ÉRCHOMAI – das bewegte Orchester“ und wird im Rahmen des Bundesförderprogramms „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.