Volkston und geschliffene Bravour

10. Philharmonisches Konzert

Duisburger Philharmoniker

Marcus Bosch Dirigent

Alban Gerhardt Violoncello

10. Philharmonisches Konzert Marcus Bosch Dirigent Foto: Thomas Niedermüller

Marcus Bosch Dirigent
Foto: Thomas Niedermüller

10. Philharmonisches Konzert Alban Gerhardt Violoncello Foto: Kaupo Kikkas

Alban Gerhardt Violoncello
Foto: Kaupo Kikkas

Am ehemaligen Haus der deutsch-sowjetischen Freundschaft in Ost-Berlin wurde 1951 ein Relief mit dem Bildnis des russischen Komponisten Michail Glinka angebracht – nebst markigen Worten, die angeblich aus seinem Mund stammen: „Es ist das Volk, das die Musik schafft. Wir Musiker arrangieren sie nur.“ Die Verehrung, die Glinka schon im 19. Jahrhundert zuteil wurde, ging nahtlos in den Personenkult der kommunistischen Ära über. Da ging es Glinka nicht besser als dem um eine Generation jüngeren Peter Tschaikowsky, der in ähnlicher Weise zum musikalischen Leitstern einer revolutionären Morgenröte stilisiert wurde.

Die Wahrheit lag in beiden Fällen ein bisschen anders. Zwar kann man in der furiosen Ouvertüre zu Glinkas Zauberoper „Ruslan und Ludmila“ durchaus slawischen Volkston entdecken, aber Stil und Handwerk dieser Musik erinnern doch eher an die geschliffene Bravour eines Gioacchino Rossini. Und mochte Peter Tschaikowsky im Finale seiner Sinfonie Nr. 4 auch ein altes russisches Volkslied zitieren – in Formplan und motivischer Arbeit verrät das Werk deutlich die Einflüsse der deutsch-österreichischen Sinfonik.

Mit dem ehrlichen Bemühen, Volksnähe und ästhetischen Anspruch zu verbinden, geriet Sergej Prokofjew Ende der 40er Jahre in die Mühlen der stalinistischen Kulturpolitik. Zu seinen bedeutendsten Spätwerken zählt das Sinfonische Konzert für Violoncello und Orchester, die Neufassung eines 1938 entstandenen Cellokonzerts, dem in seiner Urgestalt kein Erfolg beschieden war. Mstislaw Rostropovich hatte die Umarbeitung angeregt und war 1952 auch der Solist bei der Moskauer Uraufführung – unter Leitung des Pianisten Swjatoslaw Richter, der bei dieser Gelegenheit zum ersten und einzigen Mal als Dirigent hervortrat.

Der Berliner Cellist und ECHO-Preisträger Alban Gerhardt zählt in seinem Fach seit fast drei Jahrzehnten zur internationalen Spitzengruppe. Er ist mit den Wandlungen des Prokofjew-Konzerts gut vertraut, schließlich hat er 2008 beide Versionen mit dem Bergen Symphony Orchestra eingespielt. Marcus Bosch wirkte zehn Jahre lang sehr erfolgreich als Generalmusikdirektor der Stadt Aachen, bevor er 2012 in gleicher Funktion nach Nürnberg ging. 2016 wurde er als Professor und Leiter des Hochschulorchesters an die Münchner Musikhochschule berufen. Seit 2009 ist er außerdem musikalischer Leiter der angesehenen Opernfestspiele in seiner Heimatstadt Heidenheim.

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