Einsame Winterreise

2. Gastspiel

Duisburger Philharmoniker

Johannes Witt Dirigent

Thomas Blondelle Tenor

Als Schubert seinen Freunden einen „Zyklus schauerlicher Lieder“ ankündigte, ließ die düstere Stimmung dieser Lieder die Freunde ratlos zurück – nur der später so populär gewordene Lindenbaum gefiel. Schuberts „Winterreise“ führt uns mit gefrorenen Tränen und lockenden Irrlichtern in die eisige Welt der Einsamkeit. Hans Zenders „komponierte Interpretation“ ist weit mehr als eine Orchestrierung: Dem Komponisten geht es in seiner Version nicht um mythische Verklärung – vielmehr gibt sie dem Original seine verstörende Radikalität zurück. Dabei greift er auf Schuberts originale Tenorlage zurück und lässt die Singstimme über weite Strecken unverändert. Der Klaviersatz verteilt sich auf Holz- und Blechbläser, Schlagwerk, Harfe und Streichquintett, aber auch auf die „Folkloreinstrumente“ Gitarre, Akkordeon und Mundharmonika. Mit seinem Zugang macht er bewusst, dass die „Interpretation“ des Musikstücks einen Doppelsinn trägt: Nicht nur Darbietung, sondern auch Mitgestaltung wird von den Interpretierenden verlangt. Wir hören das Werk mit den Ohren des späten 20. Jahrhunderts. Und die haben den Expressionismus und die analytische Klangfarbenmelodie ebenso wie die Emanzipation des Geräuschhaften erfahren, kennen das Ausloten von dynamischen Extremen ebenso wie Spieltechniken, die darauf abzielen, auch denaturierte, schmerz- und schattenhafte Töne herauszuschleudern.

Infos und Karten finden Sie über konzerttheatercoesfeld.de

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