Ein Tierpark in Tönen

8. Philharmonisches Konzert

Duisburger Philharmoniker

Benjamin Shwartz Dirigent

8. Philharmonisches Konzert Benjamin Shwartz Dirigent Foto: Larry Garf

Benjamin Shwartz Dirigent
Foto: Larry Garf

Es flattert und schwirrt, es kriecht und schleicht, es hüpft und rennt in Mason Bates’ musikalischem Tierpark. „Anthology of Fantastic Zoology“, 2015 vom Chicago Symphony Orchestra unter Leitung von Riccado Muti aus der Taufe gehoben, setzt den schrägen Humor von Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“ fort. Allerdings sind Bates’ tönende Kreaturen nur die Produkte einer bizarren Phantasie – genauer gesagt: der des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges, der in einem 1957 erschienenen Buch mythische Tierfiguren aus verschiedenen Kulturen und Epochen mit eigenen Kreationen kreuzte. Da gibt es etwa den „Á Bao A Qu“, der im Treppenhaus einer indischen Befestigungsanlage haust und sich an die Fersen der Besucher heftet. Da ist der „Zaratan“, eine Art überdimensionale Riesen-Schildkröte, so groß, dass sie gelegentlich mit einer Insel verwechselt wird. Daneben tummeln sich allerhand Kobolde, Nymphen und Sirenen, deren hinreißend klangschöne Portraits der 1977 geborene amerikanische Komponist mit virtuoser Beherrschung der orchestralen Farbenpalette gemalt hat.

Mason Bates verweist gern auf seine Nähe zu Jazz, Rock und der kalifornischen DJ-Kultur. In seinem kompositorischen Handwerk ist er aber vor allem durch den frühen Igor Strawinsky geprägt, der seinerseits Claude Debussy und den französischen Impressionisten viel verdankte. Benjamin Shwartz, 1. Gastdirigent der Duisburger Philharmoniker, erschließt diese Traditionskette durch zwei Meisterwerke der musikalischen Illustrationskunst: Igor Strawinskys „Le Chant du Rossignol“ ist eine funkelnde Chinoiserie nach Hans Christian Andersens berühmtem Märchen von der Nachtigall, die mit ihrem Gesang den gemütskranken Kaiser heilt. 1917 aus dem Material einer drei Jahre zuvor entstandenen Opernpartitur destilliert, fand diese sinfonische Dichtung bald auch den Weg auf die Ballettbühne.

Claude Debussy vollendete sein sinfonisches Triptychon „La mer“ 1905 in Eastbourne an der englischen Kanalküste, wo, wie der Komponist in einem Brief an seinen Verleger ironisch kommentierte, „das Meer sich mit britischer Korrektheit entfaltet“. Ganz und gar nicht korrekt im Sinne der sinfonischen Tradition entfaltet sich hingegen Debussys Formplan, der auf der permanenten Verwandlung zentraler Motive beruht – so vielgestaltig, so unberechenbar, so überwältigend wie das Meer selbst.

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