Bewegte Leben

Leonkoro Quartett:

Jonathan Schwarz Violine

Emiri Kakiuchi Violine

Mayu Konoe Viola

Lukas Schwarz Violoncello

Henriëtte Bosmans führte ein bewegtes Leben: Die niederländische Komponistin und Pianistin hatte es nicht nur als Frau in einer von Männern dominierten Musikwelt schwer, sondern litt im Nationalsozialismus als Künstlerin jüdischer Abstammung, die außerdem eine Beziehung zur lesbischen Cellistin Frieda Belinfante unterhielt, auch unter doppelter Verfolgung. Und etwas von diesen dramatischen Lebensumständen klingt in ihrem Streichquintett mit: Eindringlich und voller ungewöhnlicher Harmonien ist der Kopfsatz, eine klagende Geigenmelodie eröffnet den zentralen zweiten Satz, während das Finale vor allem von treibenden Rhythmen geprägt ist. Und auch Dmitri Schostakowitsch kannte sich mit Verfolgung aus – als Künstler im totalitären Russland unter Stalin. In seinen Werken hat er sich dagegen aufgelehnt, vor allem in der weniger öffentlichen Kammermusik. Sein erschütterndes 8. Streichquartett versah er etwa mit der Widmung „Im Gedenken an die Opfer des Faschismus und des Krieges“ – und komponierte es gleichzeitig als Requiem auf sich selbst. Versöhnlicher zeigt sich zum Abschluss Franz Schubert im melodienseligen „Rosamunde-Quartett“, aber auch hier klingen Wehmut und Melancholie durch die Musik hindurch.

Foto Leonkoro Quartett: Co Merz

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