Die beiden „Eroicas“

Die beiden „Eroicas“

9. Philharmonisches Konzert

Duisburger Philharmoniker

Reinhard Goebel Dirigent

Mirijam Contzen Violine

9. Philharmonisches Konzert 2018/19 · Reinhard Goebel Dirigent · Foto: Wolf Silveri

Reinhard Goebel Dirigent
Foto: Wolf Silveri

9. Philharmonisches Konzert 2018/19 · Mirijam Contzen Violine · Foto: Tom Specht

Mirijam Contzen Violine
Foto: Tom Specht

In Beethovens neuer Sinfonie schien der Wurm zu stecken. Eigentlich hatte der Komponist sie Napoleon Bonaparte widmen wollen – aber als sich der Befreier Europas 1804 in Paris zum Kaiser krönte, strich Beethoven die Widmung wütend wieder durch. Bei der Wiener Uraufführung 1805 stellte ein neues Violinkonzert des Geigers und Komponisten Franz Clement die „Sinfonia eroica“ deutlich in den Schatten. „Grell und verworren“ befand die Allgemeine Musikalische Zeitung das Opus, für das der Komponist stolze 400 Gulden aus der Hand des Fürsten Lobkowitz erhalten hatte. Zu Beethovens Verdruss hatte der große Musikmäzen aber zeitgleich auch beim ehemaligen Mozartschüler Anton Eberl eine Sinfonie bestellt, die in der Presse sehr viel günstiger beurteilt wurde. Sie sei, so hieß es, „mit so viel Genie und Kunst behandelt, dass sie ihre Wirkung schwerlich irgendwo verfehlen wird, wo man sie gut einstudiert hat.“

Nun, die Nachwelt hat anders entschieden, hat Beethoven zum Großmeister und die erfolgreichen Konkurrenten zu Randfiguren erklärt. Aber damit lässt es ein so kritischer und widerspruchsfreudiger Geist wie Reinhard Goebel natürlich nicht bewenden. In der unmittelbaren Gegenüberstellung zeigt er, dass vieles, was man für Beethovens Individualstil halten mag, durchaus den Geist der Epoche widerspiegelt. Kühne harmonische Verbindungen, jäh auffahrende orchestrale Gesten, eine markant sprechende Thematik – all das hat auch die Konkurrenz zu bieten. Ist es etwa ein Zufall, dass Eberl für seine Sinfonie gleichfalls die „heroische“ Tonart Es-Dur wählte? Dass er den langsamen Satz, wie Beethoven, als dunkel gefärbten Trauermarsch anlegte?

Als kenntnisreicher Vermittler der historischen Aufführungspraxis arbeitet Reinhard Goebel regelmäßig mit großen Sinfonieorchestern zusammen. Bei den Duisburger Philharmonikern war der Geiger, Dirigent und Salzburger Hochschulprofessor zuletzt im April 2016 zu Gast. Schon damals stand ein Violinkonzert von Franz Clement auf dem Programm, gleichfalls mit der Solistin Mirijam Contzen. Die deutsch-japanische Geigerin studierte in Detmold und Sion beim legendären Tibor Varga, dessen Violinwettbewerb sie mit 16 Jahren gewann – es war der Beginn einer großen internationalen Karriere.

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