Himmlische Freuden

7. Philharmonisches Konzert

Duisburger Philharmoniker

Daniel Cohen Dirigent

David Fray Klavier

Jana Baumeister Sopran

Daniel Cohen Dirigent · Foto: Kaupo Kikkas

Daniel Cohen Dirigent
Foto: Kaupo Kikkas

David Fray Klavier · Foto: Marco Borggreve / Warner Classics

David Fray Klavier
Foto: Marco Borggreve / Warner Classics

Jana Baumeister Sopran · Foto: Bjoern Hadem

Jana Baumeister Sopran
Foto: Bjoern Hadem

Denkbar harmlos fangen sie an, jene „himmlischen Freuden“, die in der Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ besungen werden. Man tanzt und springt, man hüpft und singt, und das alles unter den wohlgefälligen Blicken des heiligen Petrus. Aber plötzlich tritt der „Metzger Herodes“ auf den Plan, um ein unschuldiges Lämmlein zu schlachten. Ganze Schwärme von Fischen schwimmen in die Netze; das Wild läuft den jagdlustigen Heiligen geradewegs ins offene Messer. Gustav Mahler hat diese alptraumhafte Szene im Schlusssatz seiner vierten Sinfonie vertont: Eine merkwürdig doppelbödige, maskenhafte Musik, in der sich Sanftmut und Schrecken auf beklemmende Weise mischen.

Solistin ist die junge Sopranistin Jana Baumeister, die seit 2014 zum Ensemble des Staatstheaters Darmstadt gehört. Ihr Chef dort ist GMD Daniel Cohen, der seine Karriere als Geiger im „West-Eastern Divan Orchestra“ begann und durch dessen Leiter Daniel Barenboim nachhaltig gefördert wurde. Der junge israelische Maestro machte unter anderem mit Produktionen an der Deutschen Oper und Staatsoper Berlin von sich reden. Mahlers „Vierter“ stellt er einen kurzen Ausschnitt aus Arnold Schönbergs biblischer Oper „Moses und Aron“ gegenüber. Um das Götzenbild des „goldenen Kalbes“ entfaltet sich eine Szene der Entfesselung, des sinnlichen Rausches und der Mordlust. Schönberg komponierte hier ein Orchesterbild in grellen Farben und aufpeitschenden Rhythmen; es erinnert zuweilen an die Thriller-Soundtracks aus den Filmstudios von Los Angeles, wo er sich nach seiner Emigration ansiedeln sollte. Ganz ähnlich wie bei Mahlers verstörender Himmelsvision öffnet sich hier der Blick in jene seelischen Abgründe, die Sigmund Freud, Zeitgenosse beider Meister, ins Licht der Wissenschaft rückte.

Dass sich selbst bei Mozart, dem „Götterliebling“, die sprichwörtlichen Leichen im Keller finden, dafür steht musterhaft das 1786 komponierte Klavierkonzert c-Moll. Den Solopart in diesem von dunkler Ausdrucksgewalt gezeichneten, in einem schaurigen Totentanz endenden Stück gestaltet David Fray. Als Einspringer für die erkrankte Hélène Grimaud avancierte der französische Pianist 2006 zum Shooting Star der internationalen Klavierszene; sein feinnerviges Spiel ruft bei Kritikern immer wieder Vergleiche mit dem legendären Glenn Gould hervor.

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Öffentliche Proben
vor allen philharmonischen Konzerten
Dienstags 12.00 – 12.30 Uhr. Eintritt frei

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