Die Seejungfrau

5. Philharmonisches Konzert

Duisburger Philharmoniker

Axel Kober Dirigent

Rocco Rescigno Posaune

Axel Kober Dirigent · Foto: Max Brunnert

Axel Kober Dirigent
Foto: Max Brunnert

Rocco Rescigno Posaune · Foto: Mischa Blank

Rocco Rescigno Posaune
Foto: Mischa Blank

Besonders anziehend fand die junge Wienerin Alma Schindler ihren Kompositionslehrer Alexander Zemlinsky nicht: „Eine Carricatur“ sei er, notierte sie in ihrem Tagebuch, „kinnlos, klein, mit herausquellenden Augen“. Das hinderte sie freilich nicht daran, sich in den bewunderten Musiker zu verlieben. Es folgte eine kurze, heftige Affäre, die abrupt endete, als Alma eine andere charismatische Persönlichkeit kennenlernte: den Wiener Hofoperndirektor Gustav Mahler, mit dem sie sich im März 1902 verheiratete. Wenige Tage zuvor hatte Zemlinsky mit der Komposition seiner sinfonischen Fantasie „Die Seejungfrau“ begonnen, in der er sich – so die überwiegende Meinung der Musikforschung – selbst porträtierte: Ein empfindsames, aber körperlich benachteiligtes Wesen, das an seiner unglücklichen Liebe zerbricht. Zemlinsky fasste Hans Christian Andersens Märchen von der kleinen Seejungfrau in drei große sinfonische Sätze, die aber weniger eine musikalische Nacherzählung sind als eine Folge suggestiver Klangbilder voll maritimen Schwungs und luxurierender Farben.

Als „Die Seejungfrau“ 1905 uraufgeführt wurde, waren der baltische Deutsche Boris Blacher und der korsische Franzose Henri Tomasi noch im Kleinkindalter. Die krisenhafte Übergangszeit von der Romantik zur Moderne, für die Zemlinsky ebenso steht wie sein berühmter Schwager Arnold Schönberg, haben sie nicht mehr erlebt. Ihre musikalische Selbstfindung vollzog sich in den bewegten zwanziger Jahren, als Hindemiths Neue Sachlichkeit, Strawinskys Neoklassizismus und die scharfen Rhythmen des Jazz das europäische Musikklima prägten. In Boris Blachers Paganini-Variationen aus dem Jahre 1947 sind all diese Einflüsse unschwer zu erkennen. Auch Henri Tomasis 1956 entstandenes Posaunenkonzert ist unüberhörbar von Jazz und Blues inspiriert, steht mit seiner delikaten Orchestrierung aber noch deutlich in der Tradition des französischen Impressionismus.

Wirklich populär ist das effektvolle Stück – warum auch immer – nie geworden, aber jeder Posaunist von Rang hat es im Repertoire. So natürlich auch Rocco Rescigno, der im September 2017 als Solo-Posaunist zu den Duisburger Philharmonikern kam. Der im italienischen Udine geborene Musiker studierte in seiner Heimatstadt und an der Berliner Universität der Künste; als herausragendes Nachwuchs-Talent spielte er im Gustav Mahler Jugendorchester und wurde 2015 in die Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker aufgenommen.

Öffentliche Proben
Vor allen philharmonischen Konzerten
Dienstags 12.00 – 12.30 Uhr. Eintritt frei

Eingestellt unter Philharmonische Konzerte | Zurück zur Startseite