Dem lieben Gott gewidmet

9. Philharmonisches Konzert

Duisburger Philharmoniker

Bruno Weil Dirigent

Bruno Weil Dirigent · Foto: Tafelmusik

Bruno Weil Dirigent
Foto: Tafelmusik

Die Presse ließ milde Nachsicht walten: „Keine sonderliche Wirkung“ habe Helmina von Chézys „Rosamunde“ im Theater an der Wien hervorgebracht, so war am 3. Januar 1824 in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode zu lesen. In Wahrheit hatte das Publikum dem „großen romantischen Schauspiel“ der deutschen Dichterin und Journalistin einen glatten Durchfall bereitet. Schon nach der zweiten Aufführung war Schluss – für das Stück und damit auch für Franz Schuberts Bühnenmusik, die mit sehr viel größerem Wohlwollen aufgenommen worden war. Die zehn Einzelsätze, denen Schubert später noch die drei Jahre zuvor komponierte Ouvertüre zum Ritterschauspiel „Die Zauberharfe“ hinzufügte, führen seitdem im Konzertsaal ein erfolgreiches Eigenleben.

Vier der rein instrumentalen Nummern hat Bruno Weil zu einer Suite verbunden, in der die pastorale Melodik und tänzerische Geschmeidigkeit der Musik ihren besonderen Zauber entfalten. Der ehemalige Duisburger Generalmusikdirektor zählt zu den international gefragtesten Spezialisten für die Musik der Aufklärungsepoche und der frühen Romantik. Als künstlerischer Leiter der Cappella Coloniensis und ständiger Gastdirigent des Tafelmusik Orchestra Toronto hat Bruno Weil nahezu alle bedeutenden sinfonischen, konzertanten und geistlichen Werke der Wiener Klassik eingespielt. 2016 wurde er mit dem Musikpreis der Stadt Duisburg ausgezeichnet.

Auf die Parallelen zwischen Franz Schubert und dem 27 Jahre jüngeren Anton Bruckner wurde immer wieder hingewiesen. Beide kamen als Lehrerkinder zu Welt. Beide fanden nur mit größter Mühe den Weg in eine professionelle Musiker-Laufbahn. Beiden fehlte der Sinn für jenes Mindestmaß an Selbstvermarktung, ohne das eine Karriere im bürgerlichen Musikbetrieb des 19. Jahrhunderts kaum möglich war. Dem beschleunigten Tempo des anbrechenden Industriezeitalters setzten beide ein radikal eigenes Zeitempfinden entgegen: In Schuberts „himmlischen Längen“ kündigen sich bereits die episch breit entfalteten Formkonzepte Bruckners an.

Wie Schubert hat auch Bruckner eine „Unvollendete“ hinterlassen. Als er 1896 in Wien starb, lag zum Finale der „Neunten“ nur eine umfangreiche, aber lückenhafte Materialsammlung vor. Mittlerweile sind mehrere Rekonstruktionen dieses Satzes im Umlauf; häufiger allerdings enden Aufführungen der Sinfonie noch immer mit den versöhnlichen Weltabschieds-Klängen des Adagios – durchaus angemessen für ein Werk, das der Komponist „dem lieben Gott“ gewidmet hat.

Öffentliche Proben
vor allen philharmonischen Konzerten
Dienstags 12.00 – 12.30 Uhr. Eintritt frei

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