Das Wohltemperierte Klavier

Heidrun Holtmann Klavier

Wenn heute der Klavierstimmer ins Haus kommt, ist das Instrument am Ende (hoffentlich) „gleichschwebend“ gestimmt – das heißt: der Frequenz-Abstand von einer Taste zur nächsten ist über die gesamte Klaviatur hinweg gleich. Das war nicht immer so. Bis ins 17. Jahrhundert hinein verwendete man Stimmungen, die den naturgegebenen akustischen Proportionen besser entsprachen, allerdings beim Spiel in bestimmten Tonarten zu schmerzhaften Dissonanzen führten.

Die Erfindung der gleichschwebenden oder „wohltemperierten“ Stimmung (1681) durch den Musiktheoretiker Andreas Werckmeister trug den musikalisch-stilistischen Erneuerungen im Barock­zeitalter Rechnung. Mit den beiden Bänden seines „Wohltemperierten Klaviers“ lieferte Johann Sebastian Bach dazu eine Art tönender Beispielsammlung – zweimal 24 ­Präludien und Fugen in allen Dur- und Molltonarten, die eine überwältigende Vielfalt an formalen Varianten und poetischen Charakteren bieten.

Heidrun Holtmann hat 2017 eine CD-Einspielung des Kompendiums vorgelegt und dabei „Bachs Opus magnum äußerst sorgfältig, jederzeit transparent in der kontrapunktischen Stimmführung, sensibel in der dynamischen Gestaltung, ohne jegliche Über­treibung und in der Artikulation schlüssig“ (FonoForum) interpretiert. Die in Münster geborene Pianistin gewann 1982 als bislang jüngste Teilnehmerin den renommierten Concours Géza Anda. Mit den Duisburger Philharmonikern hob sie 2010 das Klavierkonzert des israelischen Komponisten Tzvi Avni aus der Taufe.

Heidrun Holtmann spielt Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ an zwei Abenden im Lehmbruck Museum. Der zweite Teil folgt am So 10. Oktober 2021, 18.00 Uhr.

Foto: Bettina Stöß

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